26.08.2009
Deutschland droht international die DSL-Diaspora
Deutschland hinkt weltweit bei Investitionen in moderne Netzwerke hinterher. In Portugal und Griechenland wird fünfmal mehr Geld in den Breitband-Ausbau gesteckt, ganz zu schweigen von Nordeuropa und Asien.
München (red) - Die flächendeckende Versorgung mit leistungsfähigen Breitbandanschlüssen und der Aufbau von modernen Hochleistungsnetzen der nächsten Generation sind entscheidend im weltweiten Standortwettbewerb der Industrienationen. Die internationale Strategieberatung Booz & Company weist in einer aktuellen Analyse auf die direkte Korrelation zwischen Breitbandverfügbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Länder hin.
Erhöhe ein Staat die Rate der Hochleistungszugänge um 10 Prozentpunkte, so steige in den nächsten fünf Jahren die Arbeitsproduktivität um 1,5 Prozentpunkte. Um dieses Potenzial auszuschöpfen, werden weltweit staatliche und private Investitionsprogramme in neue Technologien aufgelegt. Mit den bisher geplanten staatlichen Investitionshilfen im Rahmen der Breitbandstrategie des Bundes in Höhe von 150 Millionen Euro springe Deutschland im internationalen Vergleich deutlich zu kurz, so die Analysten.
Beispielsweise habe der australische Premierminister Kevin Rudd im April sogar ein staatliches Investitionsprogramm von 23 Milliarden Euro in Aussicht und damit den Aufbau von Telekommunikationsinfrastruktur in den Mittelpunkt der australischen Wirtschaftspolitik in der Krise gestellt. Auch relativ kleine europäische Volkswirtschaften wie Portugal oder Griechenland investierten mit jeweils mehr als 750 Millionen Euro fünfmal mehr öffentliche Fördergelder in den Breitband Ausbau als Deutschland.
Im europaweiten Vergleich der staatlichen Investitionsprogramme zum Breitbandausbau lande Deutschland nur im letzten Drittel. Die europäischen Spitzenreiter bei Breitbandinfrastruktur und -abdeckung sind Schweden und Norwegen. 10 Prozent der Privathaushalte und Unternehmen haben hier bereits einen Glasfaser Anschluss. Noch aggressiver gehen die Fernoststaaten voran. Mit Raten von 44 Prozent in Südkorea, 27 Prozent in Hongkong und 26 Prozent in Japan hat man dort bereits den Einstieg in die Breitband-Zukunft geschafft. Deutschland befindet sich im globalen Wettbewerb nicht einmal unter den Top-15-Ländern.
Durch die gestiegenen Anforderungen der globalisierten und digitalisierten Wirtschaft sei der Breitband-Ausbau vergleichbar mit den großen historischen Infrastrukturprojekten wie dem Aufbau eines modernen Schienen- oder Straßennetzes im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert, meinen die Analysten von Booz & Company. Ohne konsequente staatliche Maßnahmen und sinnvolle Regulierung werde Deutschland im internationalen Vergleich zur Breitband-Diaspora, befürchten die Berater.
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